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Microservices-Architekturen: Flexibilität für Omni-Channel-Händler

In einer Branche, die ständigen Veränderungen unterliegt und kontinuierlich durch Verbrauchertrends und digitale Technologien getrieben wird, sind Prognosen schwieriger als jemals zuvor. “Der Handel weiß heute nicht was die Kunden morgen erwarten”. Sicher ist lediglich, dass ein ansprechendes Warensortiment alleine kein Wettbewerbsvorteil mehr sein wird. Im Grunde sind heute bereits alle Güter immer und überall für die Konsumenten verfügbar.

Der Ansatz "Wir haben die Produkte, also lass uns die Kunden finden, denen wir sie verkaufen können!” funktioniert heute nicht mehr. Die Händler, die derzeit erfolgreich wachsen, stellen den Kunden in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen und schaffen relevante Angebote - unabhängig von Ort und Zeit. Sie erkennen oder wecken Bedürfnisse, erzeugen Aufmerksamkeit und bauen eine Kundenbeziehung auf. Häufig stehen dabei technologische Innovationen, die ganz neue Geschäftsfelder ermöglichen, im Vordergrund.

Microservices sind eine Antwort auf die Herausforderungen, denen sich diese Unternehmen, mit teilweise monolithischen Anwendungsarchitekturen und komplexen Anforderungen an ihre IT-Systeme, ausgesetzt sehen. Microservices stellen eine Weiterentwicklung der grundlegenden Ideen von Service-orientierten Architekturen (SOA) dar. Der Fokus verschiebt sich von Technologien mit aufwändigen, schwerfälligen Infrastrukturkomponenten hin zu kleinen, an Geschäftsprozessen ausgerichteten, unabhängigen Services, die lose gekoppelt über so genannte RESTful Application Programming Interfaces (API) kommunizieren. Ermöglicht wird dieser Architekturansatz unter anderem durch die Nutzung von Praktiken und Techniken aus dem Continuous Delivery-Umfeld und den Erkenntnissen der DevOps-Bewegung.

Der Begriff Microservices wurde bereits 2011 in einem unabhängigen Workshop von Software-Architekten geprägt, unter denen sich auch Kollegen von ThoughtWorks befanden.

Aufmerksamkeit und Verbreitung erhielten Microservices durch eine sehr frühe Fallstudie, vorgestellt 2012 von James Lewis (ThoughtWorks) bei der “33rd Degree Konferenz”, sowie durch die erste umfassende Charakterisierung von Microservices, geschrieben von James Lewis und Martin Fowler (Chief Scientist bei ThoughtWorks) und durch das Buch “Building Microservices” des ehemaligen ThoughtWorks-Beraters Sam Newman.

Die großen Handelsunternehmen in Deutschland investieren in digitale Innovationen. Sie haben erkannt, dass IT nicht mehr als Kostenfaktor betrachtet werden darf und Technologen in der engen Zusammenarbeit mit fachlichen Funktionen wie Categories, Marketing und Operation die kritischen “Business Enabler” der Gegenwart sind.

Der Web-Shop von otto.de wird beispielweise bereits seit 2011 von Otto, u.a. in Zusammenarbeit mit ThoughtWorks, zunächst neu und dann kontinuierlich weiterentwickelt. Otto will vor allem ein Ziel erreichen: eine technologische und organisatorische Infrastruktur schaffen, die die eigene Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern kann; auch ohne zu wissen, was diese in Zukunft ausmacht. Die Hypothese, der Otto bis heute folgt, lautet, dass autarke, cross-funktionale Teams durch Geschwindigkeit und Flexibilität auf jede zukünftige Anforderung angemessen reagieren können.

Was bei Otto erfolgreich implementiert wurde, wurde beispielsweise auch im eigenentwickelten Webshop von Galeria Kaufhof oder im Rahmen der Digitalen Transformation von METRO Cash & Carry angewendet.

Amazon & Co stellen seit jeher die User Experience in den Vordergrund und definieren kleinere IT-Produkte entlang der Customer Journey, die durch Teams aus Fachexperten und Technologen eigenverantwortlich entwickelt werden. Die Teams implementieren ein Netz aus Microservices, die lose gekoppelt kommunizieren. Die Gesamtverantwortung für die Produkte liegt in den Teams, inklusive der für den Betrieb. Cloud-Technologien und You built, you run it-Betriebsmodelle machen es möglich.

Produktorientierung und Microservices-Architekturen sind mittlerweile auch in die Konzern-IT-Organisationen eingezogen. Neben Frontend-Applikationen werden auch Backend-Systeme in Produkte geschnitten. Ein Team, dass im Unternehmenskontext einen Pricing- und Warenkorb-Service anbietet, egal ob der Warenkorb durch Scannen am Kassentisch oder online im Web-Shop gefüllt wurde, durchbricht kanalspezifische Abgrenzungen und bietet dem Kunden eine echte Omni-Channel-Erfahrung. Mit garantiert gleichen Preisen, egal über welchen Kanal.

Zuerst veröffentlicht in der 'Lebensmittelzeitung' -Ausgabe vom 01. Dezember 2017.

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