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3 Fragen an... Katrin Rhode

3 Fragen an... Katrin Rhode

Head of Professional Service

Warum ist die Modernisierung von IT-Altsystemen unabdingbar?

Einer der gefährlichsten Irrtümer von etablierten Unternehmen und sogar Marktführern ist die Annahme, dass neue Wettbewerber Jahrzehnte von großen Investments in die Implementierung und Wartung von IT-Systemen nachholen müssen, bevor diese Firmen einen ernstzunehmenden Wettbewerb darstellen werden. Amazons Erfolgsgeschichte beruht nicht unwesentlich auf der Tatsache, nicht durch Altsysteme behindert gewesen zu sein. In Gesprächen mit vielen unserer Kunden werden uns daher die Fragen gestellt: “Wie machen wir unsere Altsystem-Landschaft fit für unsere digitale Zukunft? Wie schaffen wir es, mit der heute notwendigen Änderungsgeschwindigkeit zu operieren?”.

Anwendungslandschaften bestehen aus einer Vielzahl von über Jahrzehnten gewachsenen Standard- und Individual-Software-Lösungen mitsamt ihren teilweise nicht mehr nachvollziehbaren Integrationen. Diese Systeme sind entworfen für Innovationszyklen von Monaten, wenn nicht Jahren. Sie sind nicht entwickelt für Anforderungen eines modernen digitalen Business, in dem Änderungen in Tagen, wenn nicht Stunden umsetzbar sein sollten. Modernisierung von Alt-Systemen ist daher entscheidend für die Fähigkeit eines Unternehmens, sich zu transformieren und Innovationen für seine Kunden in der erforderlichen Geschwindigkeit an den Markt zu bringen.

Darüber hinaus beobachten wir einen weiteren wichtigen Motivationsgrund für eine Altsystem-Modernisierung. In einem Technologie-Arbeitsmarkt, der den besten Talenten die Auswahl unter zahlreichen Möglichkeiten bietet, gehen Firmen leer aus, die Mitarbeitern einen Technologie-Stack und eine Arbeitsumgebung bieten, die 20 Jahre alt sind. 

Wie sollten Unternehmen bei der Modernisierung von IT-Altsystemen vorgehen?

In einer Vielzahl von erfolgreichen Altsystem-Modernisierungen, die ThoughtWorks durchgeführt hat, konnten wir sehen, dass Prinzipien der agilen Softwareentwicklung auch auf Unternehmensebene anwendbar sind. Beginnen Sie also damit, eine Modernisierungs-Roadmap – nicht zu verwechseln mit einem in Stein gemeißelten Plan – zu entwickeln. Modernisierung ist eine dauerhafte Reise, auf die Sie sich begeben. Neue Prioritäten werden sich ergeben und Sie werden ihre Roadmap anpassen wollen. Betrachten Sie Ihre heutigen Anwendungen und verwenden Sie Kriterien wie “heutige versus angestrebte Änderungsgeschwindigkeit”, “Änderungskosten”, “Geschäftsnutzen und -potenzial” oder “Risiko einer Transformation versus Nicht-Transformation”, um ihre Aktivitäten zu priorisieren. Steuern Sie Ihre Investitionen gemäß diesen Prioritäten und messen Sie, ob Ihre Maßnahmen den gewünschten Erfolg haben. Erlauben Sie sich und Ihrer Organisation aus Fehlern zu lernen und so besser zu werden, mit einem geringstmöglichen Invest den maximalen Nutzen für das Unternehmen zu erzielen.

Es ist eine natürliche Annahme und möglicherweise auch menschliche Tendenz zu denken, dass ein modernisiertes System für alle Nutzer mindestens alle Funktionen des Altsystems abbilden muss. Diese Annahme untergräbt oft schon vom ersten Tag an den Zweck eines Modernisierungsunterfangens: Das neue System soll für diejenigen Kunden und Geschäftsmodelle gebaut werden, die profitabel sind und die die Geschäftsstrategie unterstützen. Unternehmen, die bereit sind “alte Zöpfe abzuschneiden”, konzentrieren sich auf das Wesentliche und kommen so schneller zum Ziel.

Verwenden Sie erprobte Ansätze für die Modernisierung Ihrer Systeme. Es stehen Ihnen eine Vielzahl von Möglichkeiten jenseits der oft gefürchteten "Big Bang”-Ablösung zur Verfügung. Widerstehen Sie der Versuchung zu glauben, Sie stünden vor einer unlösbar komplexen Aufgabe. 

Welche Aspekte sind neben der technischen Systemerneuerung zu bedenken, um erfolgreich eine Anwendungslandschaft zu modernisieren?

Wenn eine Altsystem-Modernisierung als reines IT-Problem verstanden wird, dann ist die Modernisierung unserer Erfahrung nach selten erfolgreich. Gemeinsam mit IT-Systemen sind meist Organisationsstrukturen, Governance oder Vorgehensweisen gealtert. Langsame Entscheidungen, gebunden an jährliche Budget-Prozesse zwingen Geschäftsbereiche zu erraten, welche Bedürfnisse ihre Kunden in Monaten haben werden, welche Schritte ihre Wettbewerber im nächsten Jahr machen werden. Stellen Sie Ihren Kunden in den Mittelpunkt, richten Sie Ihre Organisation an gemeinsamen Geschäftszielen aus. Es geht um den Paradigmenwechsel von Projekt- zu Produktdenke. Jede Koordination zwischen Abteilungen ist ein potenzielles Risiko für Missverständnisse, Zeitverlust und Ausfechten von unterschiedlichen Interessen zulasten Ihres Kunden. Ermöglichen Sie lokale Entscheidungen durch diejenigen, die am nächsten am Kunden sind.

Darüber hinaus sollten Sie prüfen, inwieweit die Kultur des Unternehmens eine “Modernisierung” benötigt. Eine technische Modernisierung Ihrer IT-Systeme wird Ihre Möglichkeit verbessern, zu experimentieren und aus datenbasiertem Feedback mehr über ihre Produktideen zu lernen. Versäumen Sie nicht, den dazu notwendigen Mindset-Shift zu etablieren. Entscheidungskompetenz “nach unten” zu delegieren und eine positive Fehlerkultur zu etablieren, stellt für viele Unternehmen eine Herausforderung dar. Gestehen Sie sich, Ihren Mitarbeitern und Kollegen zu, dass über 20 und mehr Jahre erlerntes Verhalten nicht durch die Teilnahme an einem 2-tägigen “agilen Training” zu entlernen ist.

Bei ThoughtWorks glauben wir, dass nur ein holistischer Ansatz, der gleichermaßen die Modernisierung von Technologie, Organisation und Mentalität umfasst, langfristig ermöglicht, sich zu einem modernen, digitalen Unternehmen zu transformieren und führend im digitalen Wettbewerb zu sein.